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Dagmar Mann-Friederich - Systemische Therapeutin
Familientherapeutin DGSF - Coach - Psychotherapist ECP
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Die Tetralemma-Aufstellung

Nach der klassischen westlichen Logik, die auf Aristoteles zurück geht, kennen wir die sich gegenseitig ausschließenden Begriffe "wahr" und "falsch". "Gegenseitig ausschliessend" bedeutet dabei gleichzeitig, dass eine Aussage, Geisteshaltung oder Problemlösung entweder "zutrifft" oder "nicht zutrifft". So lernen wir es von Grund an. Wir verwenden dies in der Mathematik, in der Informatik, in der Philosophie - und unbewußt auch im ganzen Leben.

Gleichzeitig zieht diese Ansicht es nach sich, dass es keine weitere Lösungsmöglichkeit gibt und dass somit entweder die eine oder die andere Lösung zutreffen MUSS. Etwas anderes ist nach dieser europäischen Logik nicht zugelassen. Ein Ausweg ist nicht gegeben. Denn eine Eigenschaft kann nicht gleichzeitig einem Gegenstand zukommen und nicht zukommen - so heißt es in der Aristotelischen Philosophie.

Kann man sich nicht für die eine ODER die andere Lösung entscheiden, besteht ein DILEMMA (Di= Zwei, Lemma = Aussage). Dieses wird umgangssprachlich manchmal auch "Zwickmühle" (bekannt aus dem "Mühle-Spiel") genannt. Gelangt man im Mühle-Spiel in eine Zwickmühlensituation, hat man das "Spiel verloren", denn man verliert mit jedem Spielzug unausweichlich einen Spielstein. Die vergleichbare Situation gibt es auch im Schachspiel - genannt "schachmatt".

Im beruflichen oder privaten Alltag fangen für viele die Konflikte erst richtig an, wenn sich beim Versuch, eine ungute Situation zu lösen, ein Dilemma zeigt. Ein Ausweg, eine persönliche Lösung, ist nicht in Sicht. Was auch immer man tut, wofür man sich auch entscheidet, verbessert dies die Situation nicht.

Zudem beherrscht dann zumeist ein Fokussieren auf das Problem, auf das Dilemma, die persönliche Situation. Man kann keine neuen, anderen Gedanken fassen, befindet sich in einer Art "Problem-Trance".
Man bekommt das Gefühl, dass man - egal was man tut - "verloren" hat.

Eine gute Methode, um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, ist der buddhistische Ansatz des TETRALEMMA (Tetra= Vier, Lemma = Aussage). Es geht dabei darum, das Feld der Möglichkeiten zu erweitern - zumindestens um zwei (wenn nicht sogar um drei) weitere Möglichkeiten. Übertragen auf die oben genannten Spiele hiesse dies - bildhaft - entweder die bekannten Spielregeln zu brechen. Oder aber eine dritte Dimension einzuführen und die Spielzüge in einem ganz anderen Bereich fortzusetzen.

Beschrieben wird in der Literatur die Verwendung des TETRALEMMA in der alt-indischen Rechtssprechung.
Wenn zum Beispiel bei Gerichtsverhandlungen Aussage gegen Aussage stand und es dem Gericht nicht möglich war, sich für eine der beiden "scheinbaren" Wahrheiten zu entscheiden, wurde das TETRALEMMA angewendet.

Dieses bedeutet, dass es vier Möglichkeiten gibt:

Diese Ansichten führen zu ganz neuen Möglichkeiten der Situationsbeurteilung.
Zum Beispiel, einfach gesagt, dass beide Kontrahenten ihre Standpunkte in voller Überzeugung vertreten und aus ihrer jeweiligen Sicht Recht haben.
Dass aber beide zugleich einem Irrtum aufsitzen und die Wahrheit noch einmal eine ganz andere ist. Oder aber dass beide bewusst lügen.
Oder dass beide Recht haben, die Problemlösung dennoch tatsächlich ganz woanders liegt.

Hinzu kommt nun auch noch der Einsatz eines gedachten "fünften - freien" Elementes. Dieses besagt nun auch noch, dass keine der vier genannten Möglichkeiten zutrifft. Und "es selbst auch nicht". Damit ist ALLES OFFEN - es herrscht völlige Leere an Argumenten und Ansichten. Manchmal ist dies der Moment, wo sich etwas völlig Neues zeigt, welches mit den vorherigen Denkansätzen niemals hätte erreicht werden können.

Die philosophischen Beschreibungen des TETRALEMMA und seiner Konsequenzen füllen ganze Werke.

Im Alltag hingegen ist es oft hilfreich, sich vor Augen zu führen, dass nicht das alleine wahr und richtig sein muss, was man sieht, was einem präsentiert wird, was zur Auswahl steht. Sondern dass alles, aber auch wirklich alles, hinterfragt werden kann.

Ob man dies tut, ob man die Ideen dazu hat, ob man die Zeit, die Informationen, die Ressourcen zur Verfügung hat, eine solche neue Lösung zu finden, ist natürlich eine andere Frage.

In der professionellen Hilfe bei Problemlösungen werden Methoden des FOCUSING (siehe Informationsseite Focusing) genutzt, oder Coaching-Gespräche die weiter helfen.

Und auch die im folgenden beschriebene TETRALEMMA-AUFSTELLUNG.

In der Tetralemmaaufstellung werden die beiden Optionen als „Das Eine“ und „Das Andere“ aufgestellt. Erweitert wird dies durch die weiteren Elemente „Keines von Beiden“ und „Beides“. Hinzu kommt noch ein fünftes Element, die sogenannte „Nicht-Position“. Als Repräsentant für den Klienten wird das Element „Fokus“ aufgestellt.

Nun wird die Sichtweise des Aufstellers zum anstehenden Entscheidungsproblem (die anfängliche „Entweder – Oder“-Sichtweise) erweitert, indem die zwei weiteren Elemente „Keines von Beiden“ und „Beides“ mit einbezogen werden. Eine Musterunterbrechung (Abweichung von der bisherigen Sicht) wird erreicht, wenn der Fokus durch einen sogenannten „kreativen Schritt“ eine völlig neue Position einnehmen kann – die „Nicht-Position“.